Der Lebenskreis von Laterano hat sich geschlossen.

Wir sind sehr traurig, aber wir mussten ihn gehen lassen. Obwohl er nie uns gehörte, gehörte er doch zu unserem Leben.

 

Es scheint gar nicht so lange her zu sein, als er in unser Leben trat. Für Sarah war er mehr als die Hälfte ihres Lebens da. Kennen gelernt hat sie ihn aber schon als sie noch Windeln trug, da hat sie das erste Mal auf ihm gesessen und gestrahlt. Mit den Jahren wuchs natürlich wie bei vielen kleinen Mädchen der Wunsch ein Pferd zu haben. Sie begleitete ihre Freundin immer zum Stall, die Familie hatte ein Pferd. Laterano stand in der Box daneben, hatte wechselnde Pfleger, da die Besitzerin bereits eine neue, jüngere Stute hatte. Bald schon kümmerte sich Sarah mit ihrer Freundin um den eigentlich schon alten Laterano. Irgendwann, da war sie ungefähr 7 oder 8 Jahre alt, kam sie nach Hause, freudestrahlend, sie hätte jetzt ein Pflegepferd für sich ganz alleine. Die Besitzerin wechselte den Stall, Laterano blieb. Seit dieser Zeit war er "ihr " Pferd.

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 Täglich war sie am Stall, sie lernte erst durch ihn richtig reiten, auch wenn sie nebenher Stunden auf Schulpferden hatte. Meist ritt sie ohne Sattel, Laterano hatte Sattelldruck und nur mit einem Westernpad unter dem Po marschierten die beiden los. Nur bei Ausritten in die Umgebung wurde er gesattelt.

             P7050590     Sarah Laterano vor unserm Haus

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Als er nicht mehr so viel schaffte, war es mehr ein Wanderreiten, was der Freude keinen Abbruch tat. Im Sommer 2007, wir waren im Urlaub, wurden es einmal plötzlich über 40 °C heiß. Sarah machte sich Sorgen. Einen Tag später erhielten wir den Anruf, den sie so gefürchtet hatte. Laterano hatte einen Zusammenbruch, aber er berappelte sich. Von dieser Zeit an bekam er spezielles Futter, Herzkräftigende Tropfen und Spaziergänge gab es nur noch ohne die Belastung eines Reiters. Nun sollte man aber nicht denken dass es ihm nicht mehr gut ging. Fangenspielen auf dem Paddock war immernoch sehr beliebt.

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 Auch hatte er nach wie vor seinen Dickkopf. Wenn es zum Weidegang in der Sommerzeit ging, hatte so manch einer am Stall sein Problem mit ihm. Er musste immer als erstes gehen, es ging ihm nicht schnell genug zur Wiese. Wer da als führende Person nicht mitkam hatte eben Pech, zu halten hatte man nicht viel. Wenn es Futterzeit war, polterte er wie verrückt in seiner Box, er musste zuerst was bekommen. Sein Spitzname passte, Kuni, von Kunibert das Kampfross. Wie oft musste er von Sarah gebremst werden, wenn er wiedermal auf dem Paddock sein Alter vergaß und sie sich um seine Beine sorgte. Dieses Verhalten behielt er bis zum letzten Tag. Trotzdem habe ich mich nie gesorgt wenn die beiden zusammen waren. Einige Male habe ich gemistet, ihn geputzt oder bin mit ihm spazieren gegangen(oder er mit mir?), wenn Sarah mal nicht konnte oder mit ihrem Reitbeteiligungspferd beschäftigt war. Sehr schnell hatte er auch mich in seinem Bann gezogen und auch Martin, der mit Pferden früher eigentlich so gar nichts anfangen konnte. Wir wussten natürlich schon lange, dass jeder Tag sein letzter sein konnte, nicht viele Pferde werden so alt wie er. Als dieser Tag dann aber kam, war es nur schrecklich. Jeder der ihn kannte vermisst ihn, es ist so merkwürdig ruhig. Laterano hat so viele Pferde am Stall überlebt die alle viel jünger waren als er, jetzt ist er wieder bei ihnen, auf der großen Wiese im Galopp und das gönnen wir ihm sehr. Zurück bleiben nur gute Erinnerungen an "unseren Alten", auch wenn er nie uns gehörte, wir sind froh ihn ein Stück begleitet zu haben.

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